Update: Apnoetauchen im Sommer 2019

Von Jens Fischer | September 1, 2019 

Ja, es ist schon eine ganze Weile her, dass ich hier im Blog was geschrieben habe. Aber sagen wir mal so, das Schreiben über das Apnoetauchen begeistert mich weniger als das Tauchen selbst 😉 

Also hier jetzt endlich im fünften Anlauf mal ein Update über meinen Sommer 2019.

La Palma solo

Diesen Sommer habe ich ohne Eva auf der Insel verbracht. Eva war durch ein Projekt in Deutschland gebunden.

Viel Zeit um Neues zu lernen, spannende Menschen kennenzulernen und bereits bestehende Bekanntschaften zu festigen. Und vor allem: viel Zeit im Wasser zu verbringen.

Teneriffa Teil 1 - Training

Bedingt durch die Abwesenheit meines Lieblingsbuddies konnte ich allerdings nicht ganz so viel das Apnoetauchen trainieren, wie ich wollte. Schnorcheln ist schön. Aber mich zog es an die Boje und die Leine, wieder in die Tiefe. Und das geht nunmal nicht ohne Buddy.

Kurzentschlossen buchte ich die Fähre nach Teneriffa und eine Unterkunft in Radazul. 

Eine Woche trainierte ich mit und bei Apnea Canarias. Immer wieder großartig, echte Profis zu sehen. Youssef, einer der Instruktoren bereitete sich auf die Weltmeisterschaft in Nizza vor, sein Ziel: National Record für Marokko. 

Am eindrucksvollsten war für mich aber das gemeinsame Tauchen mit einem Trainingsteilnehmer aus Polen. Auch er trainierte für die Meisterschaft. Mit einer Zieltiefe CWT von 80m. Für mich unvorstellbar. Und ein ganz besonderes Gefühl, ihn mit seiner Monoflosse im tiefen Blau verschwinden zu sehen - Sekunden werden zu Minuten und dann, nach ca. 2,5 Minuten löst sich seine Gestalt zunächst schemenhaft aus dem Blau, nimmt Kontur an. Begleitet von Omar als Sicherungstaucher mit dem Scooter schießt er quasi die letzten Meter nach oben. Mit einem Strahlen zieht er den Tag aus der Haube. Geschafft. Wirklich sehr beeindruckend und inspirierend. Ich wünsche beiden viel Glück in Nizza!

Neben dem regelmäßigen Training ist genug Zeit, alte Freunde zu treffen und neue Freunde kennenzulernen. Insbesondere Frederic möchte ich hier ausdrücklich danken. Ohne ihn wäre mir eine sehr spezielle, wunderbare Begegnung im offenen Meer entgangen. Danke.

Apnoetauchen mit Boris

Zurück auf La Palma. Ich hatte großes Glück, dass ich gleich weiter trainieren und tauchen konnte. Boris, selbst Freediver, verbrachte mit seiner Familie einen 3-wöchigen Urlaub auf der Insel. Vorab hatte er mich über den Blog kontaktiert und wir haben uns gleich zum gemeinsamen Training und Apnoetauchen verabredet. Eine echte Win-Win Situation. Wir verbrachten viel Zeit im Wasser, häufig mit einer kurzen Schnorchelsession nach dem eigentlichen Training. Die Chemie stimmte einfach und wir hatten viel Spaß. Vielen Dank an dieser Stelle an Boris.

Pooltraining

Am Ende der Trainingswoche auf Teneriffa hatte ich beschlossen, den Kurs zum AIDA4 Freediver bald anzugehen. Eine Unterkunft in Boca Cangrejo, Fähre und Kurs waren gebucht. Dem Kurs stand nichts mehr im Wege. Eigentlich. Denn mir graute es vor den Anforderungen, um den Kurs bestehen zu können. Insbesondere DYN und STA machen mir keine Freude, daher hatte ich es auch nicht weiter trainiert und dementsprechend bestand hier Nachholbedarf. Aber mit wem trainieren? Boris war abgereist.

Und wieder hatte ich Glück. Auf der Suche nach einem Tauchcomputer (mein bisher genutzter Galileo ist mir auf Dauer für das Apnoetauchen etwas zu groß) unterhielt ich mich ein wenig mit "Fili", dem Besitzer eines Ladens für Angelbedarf. Und wie sich herausstellte, war auch er auf der Suche nach einem Trainingspartner für DYN und STA. Denn für beide Disziplinen veranstaltete der lokale Club der Speerfischer einen Wettkampf in der Zeit, in der ich auf Teneriffa sein würde.

Auch hier wieder eine Win-Win Situation. 

Beim Static Luftanhalten war ich nach wenigen Trainingseinheiten wieder deutlich über den Anforderungen für den Kurs. Aber das Streckentauchen machte mir zu schaffen. Nach anfänglichen Erfolgen folgte Stagnation. Möglicherweise lag es aber auch daran, dass wir die letzten zwei Wochen vor dem Kurs bzw. dem Wettkampf jeden Mittag während der Siesta mindestens zwei Stunden trainierten. Das schlaucht. Aber ich habe viel gelernt und in "Fili" einen neuen Trainingspartner gefunden. Danke.

Teneriffa Teil 2 - AIDA 4: Master Freediver Kurs

Anfang August konnte ich dann erneut nach Teneriffa zu Apnea Canarias. Das Auto war schnell gepackt, diesmal mit meinen neuen Mares Razor Matrix Flossen, die hatte ich mir selbst geschenkt. 

In Boca Cangrejo, einem kleinen Dorf unmittelbar am Wasser, wenige Gehminuten von Radazul entfernt, hatte ich eine super charmante Unterkunft mit Terrasse gebucht. Auf dieser Terrasse habe ich jeden Tag während meiner Dehnübungen die Morgendämmerung genossen.

Auch die Nachbarn waren supernett. Danke für die schöne Party am letzten Abend mit viel guter Laune, leckerem Essen und Wein, Mitternachtsschwimmen bei Vollmond und anregenden Gesprächen. Und für meinen neuen Spitznamen: "Juancho".

Aber vor der Party kommt die Arbeit. 

Am ersten Tag meines Aufenthalts war noch Training angesetzt. Am zweiten Tag startete der Kurs.

Ein wenig Theorie. Inhaltlich drehte es sich vorwiegend um die "Failure Depth", den "Mouthfill", "Packing", und "DCI" (Dekompressionskrankheit), aber auch um Training, Ernährung, Equipment etc. 

Schwerpunkt war aber das Training im Wasser und an Land. Stretching mit Packing. Reverse Packing. Mouthfill-Übungen. Equipment überprüfen und für das Apnoetauchen vorbereiten. Bojensetup etc.

Im Wasser dann Exhale dives, FIM, CWT, VWT, Rettungsübungen und das obligatorische STA und DYN im Pool. Und hey, ich hätte nie gedacht, dass VWT so viel Freude bereitet. Das erste Mal war ich noch etwas skeptisch als ich mit der Kettlebell gemeinsam in die Tiefe rauschen sollte. Die Skepsis übertrug sich direkt in zu viel Spannung im Körper und einen verschluckten Mouthfill, sodass ich bei ca. 32m Tiefe losließ und wieder zurück zur Oberfläche schwamm. Aber der zweite Versuch war toll. So entspannt, und der Mouthfill funktionierte. Herrlich. Es war klar, ab jetzt werde ich das öfter machen.

Am vorletzten Kurstag ging es in den Pool. STA war kein Problem, mit 4:40 war ich hoch zufrieden. Dann meine ungeliebte DYN Disziplin. Aber auch hier klappte der erste Versuch. Die innere Entspannung war gleich nach der ersten unsauberen Wende dahin, nach der zweiten Wende brannten schon die Beine und der Atemreiz war enorm. Aber ich wollte keinen zweiten Versuch... Also hieß es: Pobacken zusammenkneifen und durch. Und dann war sie schon da, die erlösende Beckenwand. Am letzten Tag dann noch die Rettungsübungen und die Auswertung der schriftlichen Prüfung und es war geschafft. Eine Woche zuvor hatte ich mich noch gefragt, ob ich den Kurs bestehen würde. Nun war ich erleichtert und glücklich. Herzlichen Dank Omar und Youssef!

Insbesondere Mouthfill, exhale dives und VWT haben es mir angetan und ich freue mich schon, im Herbst, wenn ich wieder zurück nach La Palma fliege, die Skills weiter zu üben und zu festigen.

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